| Über Monologisches |

Logik, Zitat Wikipedia:
Unter Logik versteht man die Lehre des vernünftigen Schlussfolgerns. In der Logik wird die Struktur von Argumenten im Hinblick auf ihre Gültigkeit untersucht, unabhängig vom Inhalt der Aussagen.

Monolog, Zitat Wiktionary: nicht ganz kurze Äußerung einer einzigen Person.

Die Logik ist ein Gummiband.
Es erscheint so logisch, dass Logik in der Abwägung von Schlussfolgerungen ein rechnerischer Prozess zu sein scheint, der deshalb keinerlei Interpretationen zulässt. Aber so ist das nicht.
Die Logik ist ein Gummiband.
An jedem Ende zieht nämlich ein Mensch und oft hat dieser eine ganz persönliche Art Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ich selber komme leider sehr oft in die Lage, dass etwas, das mir absolut logisch erscheint, von anderen nicht verstanden wird.
Manchmal ist es, weil sie eine andere Logik haben, manchmal ist es, weil sie keine Logik haben, manchmal ist es, weil sie ihre Logik nach ihrem persönlichen Befinden einmal so und dann wieder so ausrichten. Manchmal sind es auch einfach Missverständnisse.

Doch ist es leider eine Tatsache geworden, dass es eine schwindende Diskussionskultur gibt. Jeder will nur mehr monologisieren. Wer nicht zustimmt, ist ein Feind.
Also werde ich oft angegriffen.

Der verbreitetste Angriff ist dann, mir Monologsucht vorgzuwerfen. Weil ich meine Logik ja von vielen Seiten hinterfragt habe und deshalb auch fundiert vertreten kann – was zugegebenermaßen manchmal auch etwas ausufernd geschieht.
Doch wesentlicher dafür erscheint mir, dass viele Menschen das Vorbringen von Argumenten nicht mehr von Monologen unterscheiden können.

Natürlich gehe ich nicht unbedingt davon aus, dass meine Logik die einzig wahre ist.
Aber sie ist eben meistens logisch.

Ich denke sehr viel und auch sehr viel in verschiedenen Richtungen. Ich nehme unterschiedliche Perspektiven ein, um meine Logik zu hinterfragen. Wenn wo ein kleines Hintertürl offen bleibt, dann suche ich weiter. Weil ein Grundsatz von mir ist: Hinbiegen gilt nicht.

Oft gehe ich bei dieser Hinterfragung in theoretische Extreme. Weil sich dort am besten zeigt, ob eine Logik hält, was sie verspricht.

Dort bin ich dann meistens sehr allein.
Früher machte mir das Angst. Heute macht es mir keine mehr, heute bin ich nur manchmal traurig darüber.
Ich habe gelernt, dass meine Logik leider oft nur von Menschen bestätigt wird, die außerhalb meiner Möglichkeiten zur Bekanntschaft liegen.
Schriftsteller, Philosophen, Psychologen, viele schon tot …

Das theoretische Extrem erscheint mir deshalb der bessere Überprüfungsansatz, weil persönliche Situationen nicht so gute Ausgangspunkte für Logik bieten. Weil sie immer nur einen kleinen Bereich betreffen, einen Ausschnitt. Oft kommen wir gar nicht in die Situationen, in denen es gefragt ist, logische Prozesse umzusetzen. Nämlich in der Art umzusetzen, dass Schaden vermieden werden kann. Auch wird eine Logik im persönlichen Bereich meistens von Emotionen verwässert.

Deshalb ist es für mich wichtig, Theoreme zu entwickeln, um zu schauen, ob meine Logik dort auch noch angewendet werden kann und damit etwas zum Positiven verändern könnte. Könnte! Wenn sie eben alle anwenden würden. Würden!
Denn nur dann könnte man ja die persönliche Logik von der wirklichen Logik unterscheiden.

Da ich es leid bin, mir dauernd Prügel vor die Beine werfen zu lassen und meine Zeit damit zu vergeuden, weil ich meine Logik oft erst monologisierend lange erklären muss, bis es vielleicht doch einmal gelingt, in eine perspektivenerweiternde Diskussion mit Argumenten zu gelangen, dachte ich – na, dann mach ich doch aus dem Vorwurf eine Tugend.

Die Monologik.
Ich schreibe endlose Monologe darüber, was mir logisch erscheint.

Da bin ich gut beschäftigt und kann vielleicht durch Aufschreiben selber Lücken aufspüren. Denn ich halte viel vom Aufschreiben. Schon Erwin Ringel regte zur Graphotherapie an.
Das geschriebene Wort ist nämlich nicht so leicht wie ein Gummiband hin und her zu ziehen, wie ein Gedanke.
Der kann morgen schon ganz anders aussehen als heute und wir können aber glauben, dass wir ihn immer schon so gedacht haben.
Wenn es geschrieben steht, ist dieser Möglichkeit doch ein Riegel vorgeschoben.

Selbstverständlich wird es hier nicht nur endlose Theorie geben. Ich kann schon auch über Reales und Persönliches höchst intensiv monologisieren.
Aber mal sehen, wohin die Reise führt, wenn man sich auf den Weg ins Monoland macht.

Prinzipiell: Kommentare sind selbstverständlich erwünscht. Auch wenn ich einfach weiter monologisieren werde, wenn es keine gibt.
Doch, wie ich vorher geschrieben habe, ich liebe Argumente, die mich zum Nachdenken und Hinterfragen anregen. Ich diskutiere gern, aber nur, wenn es ohne persönliche Angriffe möglich ist.