37| Weihnachtswirtschaft

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut, heißt der Slogan, nach dem unsere Gesellschaft gelenkt werden soll.
Und natürlich wird die Wirtschaft deshalb als Spiegel des Wohlbefindens dieser Gesellschaft angesehen.
Nun hören wir seit geraumer Zeit, vor allem in den so zahlreichen Wahlkämpfen, die heuer gefochten wurden, dass eine Änderung unser Lebensbedingungen unbedingt erforderlich ist. „Wir“ können uns angeblich das Notwendigste nicht mehr leisten.
Nun ja, das mag ja vielleicht sein, aber das Nichtnotwendige geht seltsamerweise in unglaublichen Maßen nach wie vor.
Denn der Handel hat erneut ein Plus im Weihnachtsgeschäft erzielt.
Und das trotzdem fast jeder genervt vom Weihnachtsstress ist und gerne von sich gibt, dass er sich dem Geschenkewahn entzieht.
Hä?
Und nun eine nochmalige Steigerung? An der ein Großteil der Bevölkerung beteiligt sein muss, weil ja keineswegs nur einzelne Reiche die Geschäfte leergekauft haben.

Milliarden Euro. Für circa 10 Minuten, die der Durchschnittsbürger die Kerzen an seinem Weihnachtsbaum brennen hat und sich irgendeinem Weihnachtsritualgedanken widmet.

Und wieder stell ich mir die Frage, wie schon vor Weihnachten: Woher kommt dieses Geld, das in so großer Menge für Geschenke ausgegeben wird, die eh zum großen Teil im Müll landen?
Apropos Müll. An einem Tag wie heute zu versuchen, den ganz normalen Hausmüll zu entsorgen, kann nur scheitern. Über und neben der Containern türmen sich Berge von Verpackungen. Selbstverständlich nicht einmal sorgfältig getrennt.
 

Noch ein Wirtschaftsfaktor, bei dem es mir stachelgrün aufsteigt: Was und wie oft heute alles verpackt ist, damit könnte man wohl eine Legion von Obdachlosen unter der Brücke zudecken, die ja so gerne als Beweislegung für unsere Verarmung herangezogen werden.

Nicht zu vergessen, die paar Millionen, die wir dann jetzt auch noch zu Silvester einfach in die Luft pulvern können. Auch da gibt es sicher heuer wieder ein Umsatzplus.

Für mich hat sich damit nur noch einmal bestätigt:
Die Wirtschaft, dieses Instrument zur Gradmessung unseres Wohlbefindens hat unbeeindruckt von jedem Gejammere, und vollkommen unpopulistisch aufgezeigt, WIE GUT – und nicht WIE SCHLECHT – es uns geht.

© m.l.

 

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