32|Häuslschmäh

 
wc
 
Ich habe schon einmal in einem anderen Zusammenhang darüber geschrieben, dass manche Situationen, wenn es um Männer im öffentlichen Bereich geht, für mich seit meiner frühen Jugend mit Mulmigkeit verbunden sind. Ich bin in keinster Weise traumatisiert, bin auch nicht extrem ängstlich, aber „unseren“ Männern wird halt von der Gesellschaft vieles stumm zugestanden, wenn es um Belästigung von Frauen geht. Da kümmert sich kein Schwein darum, auch wenn nun alle so entrüstet tun, wenn etwas im Zusammenhang mit Zuwanderern an die Öffentlichkeit gelangt.

Gerade heute habe ich mich diesbezüglich wieder einmal schwer geärgert. Wie hirnlos diesbezüglich vorgegangen wird. Es geht um die öffentlichen WC-Anlagen. Egal, ob auf Bahnhöfen, in Parks oder auch sonst an öffentlichen Stellen, sind die alle schon von Haus aus derart blöd angelegt und seit es keine Klofrauen mehr gibt, ist eine Benutzung immer mit Unsicherheitsgefühl verbunden. Nicht nur des Nächtens. Anstatt über direkten Zugang gelangt man da oft erst über verschlungene Wege auf den Topf.

Und es gibt da für mich eine ganz spezielle Gruppe. Das sind Klos in den Einkaufszentren. Denn die vorher angeführten sind eben vielleicht noch unter anderen Voraussetzung gebaut worden. Aber die, von denen ich schreibe, sind Neukonstruktionen.

Heute war ich beispielsweise in Hainburg in einem ganz neugebauten EKZ. Dort sind die WCs durch einen langen Gang erreichbar, der zum hinteren Ende des Gebäudes führt. Und der schon einmal mit einer automatischen Tür zum Zentrum hin geschlossen ist. Dann gibt es einen gemeinsamen Eingang für Damen- und Herrentoilette. Die Herrentoilette vor der Damentoilette gereiht. Wenn man zu knapp vorübergeht, geht die Tür auf und gibt den Anblick auf die Pissoirs frei. Na gut, das ist mir eher wurscht. Ich habe schon mehr nackte Männer gesehen, als dort in einem Tag herumlaufen.
Aber dieser „Vorraum“ ist wieder hinter einer solchen Tür. Also da ist man schon hinter zwei verschlossenen Türen und mindestens 50 m von der Allgemeinheit weg. Dann geht man durch eine weitere solche Tür in die Damentoilette. Da ist ein Gang mit ca. 10 Waschbecken. Und genau – dann kommt wieder eine der Türen und dann kommt man erst zu den Kabinen.

Man ist also um ein paar Ecken ca. 80 m und durch 4 nahezu lautlos selbstschließende Türen von anderen Leuten entfernt, allerdings mit Musik berieselt. Vollkommen abgeschottet von jedem menschlichen Kontakt. Es gibt nicht einmal Videokameras.
Dafür gibt es am Ende des Ganges, keine 3 m neben dem gemeinschaftlichen Eingang, einen Notausgang, durch den man direkt in die Pampa gelangt.

Da hinten kannst schreien, wie du willst, da hört dich keiner. Selbst wenn dir nur schlecht wird, kannst auch eher sterben, als bis dich jemand findet.
Denn das Aufkommen an Benutzern ist in diesen Zentren bei ihrer Vielzahl, in der sie auftreten, an normalen Wochentagen am Nachmittag ja äußerst gering.

Und da frage ich mich, was geht in so einem (mit Sicherheit männlichen) Architekten vor?
Die Ignoranz der Sicherheit von Frauen gegenüber, zeigt sich für mich hier jedenfalls entlarvend deutlich. Und ich bedanke mich herzlichst für die betuliche öffentliche Besorgnis, ihr lieben „unsrigen“ Männer …
 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: