29| Gesundheit und Geist

Immer wieder werde ich mit Ansichten konfrontiert, dass angeblich die Gesundheit des Körpers von einer willentlichen Entscheidung des Geistes abhängt.
Ich selber kann dem nicht ganz so zustimmen.
Zwar gehe ich ebenfalls davon aus, dass der selbstliebende Umgang mit sich der wesentlichste Bestandteil der seelischen Hygiene und diese ihrerseits der wichtigste Baustein für die Gesundheit eines Menschen ist.
Doch ist dafür für mich ein gesunder Körper nicht das Wichtigste! Der Sieg des Geistes über die Materie enthält meiner Ansicht nach zu viel Kampf, der auf anderer Seite zu Schäden (also krankhaften Veränderungen) führt.

Die Gesundheit einer menschlichen Existenz besteht für mich in der Harmonisierung ihrer menschlichen Fundamente Körper, Geist und Gefühl.

Wieviele Menschen gibt es, die körperlich gesund sind, doch können sie mit dieser Gesundheit nichts anfangen. Sie fühlen sich krank, depressiv, ängstlich, einsam usw.
Und wieviele Menschen gibt es, die ein körperliches Gebrechen oder Krankheit mit sich tragen und sehr wohl Freude und Sinn im Leben finden und anderen Menschen sehr viel geben können.
Wer ist hier nun gesund und wer ist krank?

Natürlich wäre es optimal, mit einem gesunden Körper sein Gefühl und seinen Geist ausleben zu können. Doch kann man jederzeit für körperliche Ausfälle über Gefühl und Geist harmonischen Ausgleich erreichen. Nie aber bei mangelndem Gefühl und verbogener Geisteshaltung mit dem gesündesten Körper glücklich werden.

Kleiner Einschub: Sogenannte Geisteskrankheiten zählen für mich zu „körperlichen Ausfällen“. Denn diese Menschen haben für mich (leider im Unterschied zur Mehrheit) sehr wohl eine geistige Einstellung zu ihrem Sein – wenn sie auch von der herkömmlichen abweicht – und bitte niemand, wirklich niemand, soll es jemals in meiner Gegenwart wagen, einem geistig behinderten Menschen das Gefühl abzusprechen!

Geist ist niemals zu verwechseln mit hirnmäßigem Wissen.
Der Geist des Menschen ist die Einstellung zu seinem Sein. Und diese kann jederzeit auch unbewusst ablaufen.

Für mich sind die menschlichen Fundamente Gefühl, Geist und Körper und die Harmonisierung dieser drei Fundamente ist die persönliche Qualität eines Menschen. Wie ein Mensch also seine Bestandteile harmonisiert, ist ausschließlich für ihn von Bedeutung. Und ein sogenannter „geistig behinderter“ Mensch kann ausgezeichnet harmonisieren. Er hat sich nicht mit dem Ballast des kollektiven Bewusstseins oder Unterbewusstsein herumzuschlagen. Er greift nicht ein!
Ein körperlich eingeschränkter Mensch tut sich da meistens wesentlich schwerer.

Aber auch hier kommen wir wieder zu meinem immer wieder propagierten Grundsatz der Selbstverantwortung, die selbstverständlich gerade in diesem Zusammenhang von wesentlichster Bedeutung ist.
Wir selbst sind dafür verantwortlich, wie wir mit den Bedingungen unseres Daseins umgehen und wie wir selbst darauf Einfluss nehmen. Eine Gesundung über die geistige Grundhaltung ist jedem Menschen möglich und dafür ist er ganz allein zuständig.
Kein Arzt der Welt kann einen Menschen gesund MACHEN. Das kann nur der Mensch selber.
Aber gesund ist nur, wer sich nicht krank fühlt! Wer sein Leben nicht von Krankheit bestimmen lässt, sondern von Liebe zu seinem Dasein, von Akzeptanz sich selbst gegenüber, so wie er als Mensch eben ist.

Gesundheit ist, was man als gesund ansieht. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Da kann es einfach von außen keinen Wertmaßstab geben.

Und was man selber dafür tun kann, ist ebenfalls von Fall zu Fall verschieden. Hilfe anzunehmen (also auch ärztliche) entspricht in jedem Fall der Selbstliebe!

Ich sehe es zwar schon so, dass der Körper die Bühne ist, auf dem sich alles zeigt, was ein Mensch ist. Aber ich bin weit davon entfernt, eine Schuldzuweisung innerhalb eines Menschen zuzulassen. Dass ein kranker Körper aufgrund eines kranken Geistes entsteht, z.B.

Nein, ein kranker Körper kann viele Ursachen haben. Und dennoch ist es so, dass ein Mensch in sich die Möglichkeit trägt, mit diesem als „krank“ bewerteten Körper ein erfülltes und liebevolles Leben zu führen, was dann eben einem gesunden Ganzen dieses Menschen entspricht. Weil er nicht gegen einen Teil in sich selber kämpft. Oder sich selber Zwängen aussetzt.

Nur einen perfekten – und kompletten! – Körper als gesund anzusehen, kommt aber meiner Ansicht nach ganz nahe an faschistoide Bewertung.

© m.l.

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