16| Bitte weitergehen!

Was mich jetzt schön langsam sehr fasziniert ist, dass es nun scheinbar nur mehr ZWEI Themen gibt: Wie verhindern wir Norbert Hofer. Oder wie verhindern wir Alexander van der Bellen. Was ja dann eigentlich eh nur ein Thema ist.

Es sieht aus, als hätten wir in diesem Land keine anderen Sorgen.
Schlägt man eine Zeitung auf, schaltet man den Fernseher ein, loggt sich ins Internet, es gibt fast nichts anderes. Sogar der Hunde- und Katzencontent ist derzeit so gut wie zugeschüttet.

Unzählige Varianten werden durchgespielt, abstrakteste Rechenbeispiele abgehandelt, irrwitzige Details hervorgezerrt.
Wie gesagt, sogar die militanten Tierschützer und Radikalveganer legen ihre Lieblingskeulen beiseite und fühlen sich derzeit bemüßigt, politischen Sermon darüber abzugeben.

Derweil werden seltsame Beschlüsse gefasst, welche die Menschen in unserem Land betreffen, seien es Kürzungen von Mindestsicherungen, Zuschüssen, Förderungen. Es werden Gebühren erhöht, Serviceleistungen gestrichen, Grenzen geschlossen. Gesetze verschärft und internationale Entscheidungen gefällt, die für unsere Zukunft wesentlich eindrücklicher sein werden, als der neue Bundespräsident, dessen Wahl wir nicht verhindern werden.
Einer von den beiden wird’s nämlich sicher werden!

Es erinnert mich an Brot und Spiele, muss ich ganz ehrlich sagen.
Beschäftigt das Volk mit Irrwitz und ihr könnt mit ihm machen was ihr wollt.

Wie ich hier schon mehrmals klar zum Ausdruck gebracht habe – ich bin kein Freund der Bumstis und niemand wird mich je dazu bringen, auch nur ein bläulichschimmerndes Viertelstimmchen abzugeben.
Aber dennoch frage ich mich: Was ist jetzt mit diesem Norbert Hofer?
Unsere Reputation im Ausland ist eh schon im A***. Im Inland schauts mit unseren jetzigen Vertretern auch nicht rosig aus.

Vielleicht braucht „das Volk“ wirklich diese Veränderung. Nämlich, um tatsächliche Erneuerung erreichen zu können. Auch wenn sie von den Bumstis nicht kommen wird. Aber vorher wird keine Ruhe werden im Karton!
Manchmal muss etwas zusammenbrechen, um neu erwachsen zu können.
Und bei uns liegt eh schon so viel am Boden herum …

Die Leute, die es tatsächlich betreffen wird, sind schon jetzt schwerst davon lädiert. Es sind die, die an der Armutsgrenze leben, die sozial Schwächsten, die Ausgegrenzten, die Perspektivenlosen, auf deren Schelm sich „das Volk“ so aufplustert, obwohl es selber noch im warmen Glashaus sitzt. Die ja nur für Alibistatements der Neidbürger herhalten. Für die aber fast kein Schwein pfeift, wenn ihnen etwas weggenommen wird, wie es gerade geschieht.

Und jetzt auf einmal wird diese Gefahr in den Vordergrund gerückt? Die Gefahr für wen denn?

Bis sie dem Mittelstand und den Hochgestochenen an die Börseln kommen, müssen sie schon noch ordentlich kreativ werden. So einfach wird das nicht gehen. Denn auch in ihren Reihen sitzen mehr als genug solcher, die sich anpfründen wollen.
Nur auf die Minderbemittelten, da kann man leicht hintreten. Die haben nämlich keine Lobby.

Ich bin jemand, der sich für vieles interessiert. Auch für Geschichte. Und der gerne lernt. Auch aus der Geschichte.
Ich habe mich viel mit dem Holocaust beschäftigt. Schon einige Veranstaltungen darüber organisiert und betreut.
Dennoch denke ich, uns nun auf eine „Wiederholung der Geschichte“ festzufressen, ist der falsche Weg. Jede Epoche muss ihre eigenen Erfahrungen machen. In der Vergangenheit zu verharren, bedeutet, auf ihrem Niveau stehen zu bleiben. Doch Leben bedeutet Entwicklung, weitergehen.

Es ist unbedingt wichtig, gegen Menschenverachtung aufzutreten, gegen Pauschalverurteilungen, Radikalismus jeder Art. Aber doch nicht in Koketterie mit der Vergangenheit.

Wir haben JETZT damit zu tun. Wir müssen uns JETZT bei der Nase nehmen, um nicht die gleichen Fehler zu machen, wie sie die Menschheit eigentlich schon immer hervorgebracht hat. Wir können aus der Vergangenheit lernen, wohin diese führen, aber Wiederholung der Geschichte gibt es nicht.
Vor ihr nun zu stehen wie das Kaninchen vor der Schlange bringt uns nicht weiter.

Zauberworte gefällig:
Hier und jetzt! Handeln statt fürchten! Wirken statt kämpfen! Auf eigene Ziele zugehen und nicht auf propagandierte!

Unser Bundespräsident wird uns nicht zu Fall bringen. Der ist nur ein Pups im All. Doch der Rechtsruck in der westlichen Welt ist nicht mehr aufzuhalten. Also wärs hoch an der Zeit, dass wir endlich versuchen, uns mit Lösungen auseinanderzusetzen, als an ihm kleben zu bleiben, indem wir glauben, wir müssten ihn bekämpfen.
Denn nur so könnte er tatsächlich für uns zum Nutzen werden.

 

© m.l.

 

4 Comments

  • Traveller commented on 27. Mai 2016 Reply

    Wie es innenpolitisch bei euch aussieht (Stichwort: Kürzungen, Gebühren, etc.), dazu kann ich nicht wirklich etwas sagen. Aber es klingt, als liefe das bei euch ähnlich wie bei uns.
    Diejenigen mit starker Lobby kommen durch, die anderen zahlen die Zeche – mal vereinfacht gesprochen.

    Was die Medien angeht: Ein Thema muss anscheinend immer dominieren, nach einer Weile dann das nächste. Weil’s für die Zuschauer/Zuhörer ja sonst langweilig wird.
    Beispiel: Als die Flüchtlinge sich in Idomeni sammelten, wurde nur noch darüber berichtet, von der Finanzkrise in Griechenland hörte man plötzlich nichts mehr.
    Und natürlich kann man gut ablenken von anderen Themen, wenn eins gepuscht wird.

    Doch der Rechtsruck in der westlichen Welt ist nicht mehr aufzuhalten. Also wärs hoch an der Zeit, dass wir endlich versuchen, uns mit Lösungen auseinanderzusetzen, als an ihm kleben zu bleiben, indem wir glauben, wir müssten ihn bekämpfen.

    Dieser Rechtsruck hat schließlich Ursachen. Warum wählen die Menschen rechts? Warum folgen sie den Marktschreiern? Weil diese scheinbar die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen und Lösungen anbieten.

    Will man dem etwas entgegensetzen, geht das nur, indem man positiv nach anderen Lösungen sucht, statt negativ nur abzulehnen, was propagiert wird.

    • mona commented on 29. Mai 2016 Reply

      Weil diese scheinbar die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nehmen und Lösungen anbieten.

      so ist das. aber das wesentliche ist das wörtchen „scheinbar“ *seufz*

      Will man dem etwas entgegensetzen, geht das nur, indem man positiv nach anderen Lösungen sucht, statt negativ nur abzulehnen, was propagiert wird.

      und so ist es auch 😉

      und danke, dass du dich auch mit diesen monologen beschäftigit, die eigentlich so österreichspezifisch sind … zumindest vordergründig 😉

  • Traveller commented on 1. Juni 2016 Reply

    vordergründig, genau – denn bei uns gibt es ja ähnliche Tendenzen

    • mona commented on 5. Juni 2016 Reply

      ja leider … ist das als allgemeiner trend zu erkennen. wir österreicher sind ja nicht „originell“, sondern einfache mitläufer …

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