11| Die Jesus-Allegorie I

Der Mensch ist ein Herdenwesen. Und er hat für viele Bereiche seiner Existenz unterschiedlich nötige Triebe und intuitive Aufgaben. Doch der Mensch folgt diesen fast nicht mehr, weil er durch die Bewusstwerdung aus dem Paradies des selbstverständlichen Handelns vertrieben wurde – dafür steht für mich die Erbsünde. Er reagiert nun nicht mehr intuitiv und reaktiv im Einklang zwischen seinem Wesen und der Umwelt. Und er glaubt, mit dem Denken seine und die göttliche Existenz lenken zu können.

Das ist jedoch so nicht der Fall.

Dort wo der Mensch seine menschenspezifische Eigenschaft, Gefühle zu erfassen und bewusst einzusetzen – was ihn über die Tierhaftigkeit erhebt – über eben diese Bewusstheit aushebeln will, ist seine Entscheidung allen möglichen Einflüssen ausgeliefert und wird keineswegs mehr unbedingt im Einklang mit seiner Menschlichkeit gefällt. Weil er auf diese Weise nicht mehr göttlich gelenkt wird, sondern durch seine Umwelt neurotisiert und manipuliert werden kann und auch wird.

Eigentlich ist der Mensch ein Zwitterwesen. Er besitzt einen (physischen) Körper, der sich nur in der Erscheinungsform von anderen Tiere unterscheidet. Und er besitzt einen (metaphysischen) Geist, der ihn weit über die Grenzen seines Körpers hinaustragen kann und mit dem er sich dadurch auf bewusste Weise anderen Wesen, so auch Gott, selbstverantwortlich annähern kann.
Jedes Tier, jede Pflanze ist auf unbewusste Weise in die Schöpfung integriert. Folgt seiner Bestimmung mit intuitiver und reaktiver Methodik.

Deshalb gibt es verschiedene Abläufe im menschlichen Dasein.
Die einen sind jene, die aus der Körperlichkeit und Stellung des Menschen in der Schöpfung erwachsen. Die anderen betreffen den Geist, in welchem sich der Mensch während seines Erdendaseins bewegt.

Die Körperlichkeit und seine Stellung in der Schöpfung werden durch Triebe gelenkt, wie bei den Tieren.
Alle Triebe erwachsen aus dem Arterhaltungstrieb, da der Sinn des Menschen im ewigkeitsbringenden Prozess der Schöpfung die Aufgabe hat, seine Spezies in die Ewigkeit einzubringen. Aus diesem erwachsen aber nicht nur der Essens- oder der Sexualtrieb, sondern auch der Herdentrieb.
Weil der Mensch ein Herdenwesen ist!
Ein Mensch allein kann nicht existieren und er ist absolut schutzlos. Im Unterschied zu anderen Herdenwesen (wie z.B. Schafen) ist er sich dessen jedoch voll bewusst und deshalb ist ein Bestandteil seiner menschlichen Ausrüstung die Ur-Angst. Das ist die Angst davor, von seiner Herde nicht angenommen zu werden.

Gegen diese Ur-Angst gibt es nur ein probates Mittel: die Liebe. Einzig mit ihr kann sich der Mensch mit anderen verbinden. Ansonsten bleibt er zweibeiniges Schaf, das sich nur in der Herde an andere drängt. Aber sich dennoch seiner Existenz als Einzelwesen bewusst bleibt, das jederzeit ausgestoßen werden kann.

Und da schließt sich wieder der Kreis zu Gott, weil nur die Liebe die Ewigkeit fördert. Und wir sind auch wieder bei vom Kleinen ins Große.

Die körperlichen Bereiche können wir mit unseren Sinnen erkennen, sie sind sozusagen „angreifbar“.
Doch was ist mit den Bereichen, die man nicht „angreifen“ kann?
Dafür braucht man Symbole, Gleichnisse, Metaphern, Allegorien, um sich ihrer bewusst werden zu können.
Oder Gefühle. Denn spüren kann man diese Bereiche ebenfalls immer. Sie unterscheiden sich jedoch enorm von körperlichen „Gefühlen“, die ich persönlich, aus meinem Unterteilungsprinzip heraus, deshalb auch immer Empfindungen nenne.

Ja, aber was hat das alles mit dem Titel – und deshalb mit Jesus – zu tun?
Es ist quasi nur die Einleitung. Weil ich erst auf dieser Grundlage den Bogen zu meinem Jesus-Verständnis spannen kann.
Aber weil es bereits ein so langer, und ja auch sehr intensiver, Monolog geworden ist, werde ich dieses Thema in zwei Teile aufteilen.

 

© m.l.

 

9 Comments

  • Traveller commented on 5. April 2016 Reply

    durch die Bewusstwerdung aus dem Paradies des selbstverständlichen Handelns vertrieben wurde – dafür steht für mich die Erbsünde. Er reagiert nun nicht mehr intuitiv und reaktiv im Einklang zwischen seinem Wesen und der Umwelt.

    intuitives Reagieren, das ist doch eigentlich das, was man Tieren nachsagt
    das heißt für mich, solange der Mensch „im Paradies“ war, war er nicht mehr als ein Tier
    und das bedeutet, dass der „Sündenfall“ die eigentliche Menschwerdung war
    oder habe ich das zu überspitzt formuliert?

    Dort wo der Mensch seine menschenspezifische Eigenschaft, Gefühle zu erfassen und bewusst einzusetzen … über eben diese Bewusstheit aushebeln will,

    das verstehe ich jetzt nicht ganz
    was meinst du mit „über diese Bewusstheit aushebeln“?

    Eigentlich ist der Mensch ein Zwitterwesen. Er besitzt einen (physischen) Körper, der sich nur in der Erscheinungsform von anderen Tiere unterscheidet. Und er besitzt einen (metaphysischen) Geist, der ihn weit über die Grenzen seines Körpers hinaustragen kann und mit dem er sich dadurch auf bewusste Weise anderen Wesen, so auch Gott, selbstverantwortlich annähern kann.
    Jedes Tier, jede Pflanze ist auf unbewusste Weise in die Schöpfung integriert.

    ich glaube, inzwischen hat die Wissenschaft festgestellt, dass eine Reihe von Tieren (Menschenaffen auf jeden Fall) eine Form von Bewusstsein haben
    und ich habe letztens irgendwo im Fernsehen einen Bericht gesehen, bei dem sich in Experimenten zeigte, dass Affen z.B. auch ihre Kollegen austricksen können

    Weil der Mensch ein Herdenwesen ist!
    Ein Mensch allein kann nicht existieren und er ist absolut schutzlos. Im Unterschied zu anderen Herdenwesen (wie z.B. Schafen) ist er sich dessen jedoch voll bewusst und deshalb ist ein Bestandteil seiner menschlichen Ausrüstung die Ur-Angst. Das ist die Angst davor, von seiner Herde nicht angenommen zu werden.

    das Sich-angenommen-Fühlen ist ein sehr wichtiger Punkt
    „Herdenwesen“ heißt ja nicht, dass ich ständig in einer Gruppe herumlaufen muss
    aber ich will mich zugehörig fühlen, verstanden und akzeptiert

    das ist eine schwierige Balance:
    einzigartig sein und trotzdem einer Gruppe zugehörig

    Gegen diese Ur-Angst gibt es nur ein probates Mittel: die Liebe. Einzig mit ihr kann sich der Mensch mit anderen verbinden. Ansonsten bleibt er zweibeiniges Schaf, das sich nur in der Herde an andere drängt. Aber sich dennoch seiner Existenz als Einzelwesen bewusst bleibt, das jederzeit ausgestoßen werden kann.

    „zweibeiniges Schaf“ finde ich gut!
    Liebe als Mittel gegen die Ur-Angst – jetzt muss ich nachfragen:
    geht das Individuum, gehe ich mit meiner Liebe auf die Gruppe zu? in der Hoffnung auf Gegenliebe? das wäre ein Geben mit der Intention zu nehmen
    oder nehme ich mir die Angst, indem ich mich selber liebe, und mir damit klar mache, dass die anderen mich auch annehmen werden?
    oder wie?

    Die körperlichen Bereiche können wir mit unseren Sinnen erkennen, sie sind sozusagen „angreifbar“. …
    Doch was ist mit den Bereichen, die man nicht „angreifen“ kann? Dafür braucht man Symbole, Gleichnisse, Metaphern, Allegorien, um sich ihrer bewusst werden zu können. Oder Gefühle.

    wenn ich über Nicht-angreifbares (also sozusagen Abstraktes) reden oder auch nur darüber nachdenken wíll, brauche ich Bilder dafür, verstehe ich das richtig?

    dann bin ich jetzt gespannt, wie es nach dieser Einleitung weiter geht

    • mona commented on 6. April 2016 Reply

      das heißt für mich, solange der Mensch „im Paradies“ war, war er nicht mehr als ein Tier
      und das bedeutet, dass der „Sündenfall“ die eigentliche Menschwerdung war
      oder habe ich das zu überspitzt formuliert?

      nein, für mich überspitzt du da gar nichts.
      genau so sehe ich das auch. wie ich schrieb: dafür steht für mich die erbsünde

      und dadurch wurde er zu einer neuen spezies. der mensch ist kein tier! er vereint in sich faktoren, die keinem tier sonst zuzuordnen sind. er ist kein „anderes tier“. er ist die spezies mensch.
      er hat den tierhaften körper , aber einen geist, der über den körper hinausgeht und mit dem er willkürlich in seine existenz eingreifen kann. das können tiere nicht. auch wenn es manchmal vielleicht so aussieht. dann sieht das aber eben nur aus menschlicher sicht so aus.
      und deshalb kann er über seine bewusstheit seine gefühle sozusagen aushebeln, indem er sein hirnwissen über sie stellt
      hirnwissen wird aber nun einmal von außen geprägt …

      ich glaube, inzwischen hat die Wissenschaft festgestellt, dass eine Reihe von Tieren (Menschenaffen auf jeden Fall) eine Form von Bewusstsein haben
      und ich habe letztens irgendwo im Fernsehen einen Bericht gesehen, bei dem sich in Experimenten zeigte, dass Affen z.B. auch ihre Kollegen austricksen können

      ich muss gestehen, davon halte ich nicht so viel. aus dem vorgenannten grund. ich denke, dass dies die sicht der menschen von außen auf die tiere ist. weißt du, was ich meine?
      tierversuche jeder art werden ja auch immer auf den menschen bezogen bewertet.
      und artspezielles verhalten bestimmter tiere wird eben auch gerne in bezug zu menschen gesetzt.
      es gibt einige lebewesen in gottes schöpfung, die äußerst raffiniert vorgehen 😉
      aber ob sie das tatsächlich vorsätzlich WILLENTlich tun – ich bezweifle das.

      das ist eine schwierige Balance:
      einzigartig sein und trotzdem einer Gruppe zugehörig

      das finde ich gar nicht so sehr.
      aber dafür muss man halt sein gefühl einsetzen. und das prinzip „von innen nach außen“.
      das sind wir allerdings nicht so sehr gewöhnt, dadurch scheint uns die balance schwierig.

      Liebe als Mittel gegen die Ur-Angst – jetzt muss ich nachfragen:
      geht das Individuum, gehe ich mit meiner Liebe auf die Gruppe zu? in der Hoffnung auf Gegenliebe? das wäre ein Geben mit der Intention zu nehmen
      oder nehme ich mir die Angst, indem ich mich selber liebe, und mir damit klar mache, dass die anderen mich auch annehmen werden?
      oder wie?

      für mich ist er erste punkt der wesentliche. geben mit der intention zu nehmen bedeutet ja, der gegenseite die möglichkeit zum geben zu geben. damit ist der fluß der liebe, die dem prinzip des immer-geben-wollens folgen muss, erfüllt. und quasi auch die aufgabe der evolution.

      der zweite punkt trifft natürlich auch zu.
      vor allem: wer sich selbst liebt, MUSS auch andere lieben. und kann sich auf diese weise mit seiner herde verbinden. was der ur-angst ihren gröbsten stachel nimmt.

      wenn ich über Nicht-angreifbares (also sozusagen Abstraktes) reden oder auch nur darüber nachdenken wíll, brauche ich Bilder dafür, verstehe ich das richtig?

      als frau wortklauberin sage ich: es müssen keine bilder als solche sein. einigen wir uns auf bildhaftes, also eben auch gleichnisse, metaphern, usw. ?

  • Traveller commented on 12. April 2016 Reply

    und deshalb kann er über seine bewusstheit seine gefühle sozusagen aushebeln, indem er sein hirnwissen über sie stellt
    hirnwissen wird aber nun einmal von außen geprägt …

    okay, das scheint mir auch eine ausgesprochen menschliche Fähigkeit
    und dieses Möglichkeit birgt für mich sowohl positive als auch negative Aspekte
    wenn z.B. die Ur-Angst mich zu lähmen droht, kann ich mir das bewusst machen und versuchen, dagegen zu steuern, um nicht wie das Kaninchen vor der Schlange hocken zu bleiben
    ich kann aber auch Gefühle wegdrücken und mir damit selber schaden

    dass dies die sicht der menschen von außen auf die tiere ist.

    ja, ich weiß, was du meinst
    wir interpretieren das Verhalten der Tiere ja immer aus unserer menschlichen Sicht
    und schließen dann aus menschenähnlichem Verhalten auch auf eine menschengleiche Ursache
    aber ich denke auch, dass die Grenzen zwischen Tieren und Menschen da nicht ganz klar zu ziehen sind
    wenn es um Bewusstsein geht, gibt es vielleicht einen Bereich des Übergangs, in dem Tiere – z.B. Menschenaffen – eine Art Vorform von „echtem Bewusstsein“ haben

    für mich ist er erste punkt der wesentliche. geben mit der intention zu nehmen bedeutet ja, der gegenseite die möglichkeit zum geben zu geben. (…)
    der zweite punkt trifft natürlich auch zu.
    vor allem: wer sich selbst liebt, MUSS auch andere lieben. und kann sich auf diese weise mit seiner herde verbinden.

    dann haben wir ja wieder mal die Prinzipien „von innen nach außen“ und „vom kleinen ins große“ 😉

    und was das letzte angeht:

    als frau wortklauberin sage ich: es müssen keine bilder als solche sein. einigen wir uns auf bildhaftes

    Bildhaftes ist genau das, was ich meinte

    • mona commented on 15. April 2016 Reply

      dieses Möglichkeit birgt für mich sowohl positive als auch negative Aspekte
      wenn z.B. die Ur-Angst mich zu lähmen droht, kann ich mir das bewusst machen und versuchen, dagegen zu steuern, um nicht wie das Kaninchen vor der Schlange hocken zu bleiben

      die ur-angst ist ja nicht die angst des kaninchens vor der schlange. sondern die angst, die herde zu verlieren. ob einem da das hirn drüberhelfen kann … ehrlich gesagt, glaube ich das nicht.
      ich gehe ja davon aus, dass die ur-angst überhaupt erst aus dem bewusstsein kommt. ohne dieses würden wir ja intuitiv versuchen, in der herde zu verbleiben. da gäbe es diese angst also gar nicht.
      und angst ist über gehirn nicht zu beherrschen. angstvolle reaktionen vielleicht, aber angst selber nicht.

      wir interpretieren das Verhalten der Tiere ja immer aus unserer menschlichen Sicht
      und schließen dann aus menschenähnlichem Verhalten auch auf eine menschengleiche Ursache
      aber ich denke auch, dass die Grenzen zwischen Tieren und Menschen da nicht ganz klar zu ziehen sind
      wenn es um Bewusstsein geht, gibt es vielleicht einen Bereich des Übergangs, in dem Tiere – z.B. Menschenaffen – eine Art Vorform von „echtem Bewusstsein“ haben

      also „echtes bewusstsein“ schließt für mich bewusstes handeln ein. eine entscheidung zum bewussten handeln, exakt ausgedrückt.
      ich möchte es den tieren nicht absprechen. aber sicher ist, dass dies eine besonderheit der spezies mensch ist. dann haben halt tiere menschliche attribute, wie wir ja auch tierische haben.
      aber du verstehst, wie ich den unterschied ansetze?

  • Traveller commented on 18. April 2016 Reply

    die ur-angst ist (…) die angst, die herde zu verlieren

    ich hatte das „Kaninchen“ auch nur als Bild gemeint für die Lähmung
    wenn ich die Herde nicht verlieren will, dann muss ich doch von mir aus etwas dazu tun
    und dazu muss mir das doch bewusst sein

    aber du hast Recht, eine so tief sitzende Angst kann man vermutlich nicht durch Hirnarbeit in den Griff bekommen

    entscheidung zum bewussten handeln

    das Wort „Entscheidung“ macht den Unterschied
    ich glaube, ich verstehe wie du das meinst

    Tiere können z.B. eine Form von Bewusstsein ihrer selbst haben, sie können vielleicht auch Handlungen ausführen, die für uns wirken, als seien sie von Bewusstsein der Situation gesteuert

    aber sie können nicht nachdenken über ihre Handlungen, können nicht reflektieren und daraus z.B. bewusst andere Verhaltensweisen ableiten

  • mona commented on 18. April 2016 Reply

    ja, mir ist schon klar, was du mit dem „kaninchen“ meintest. aber das ist es eben nicht.

    ich mache einen unterschied zwischen angst und handeln aus angst. das eine ist spüren, das andere ist denken. genauso haben wir es irgendwo heute mit der liebe. liebe ist etwas anderes als liebevolle kommunikation.

    da mach ich einen neuen monolog darüber, ok?

    wie auch hier dann (bei den tieren) die „entscheidung“ den unterschied macht.

    ja, das wird wieder spannend. vor allem, ob ich es textlich so umsetzen kann, wie ich es meine *gg*

  • Traveller commented on 19. April 2016 Reply

    okay, ich verstehe, wo du den Unterschied machst
    und ich verstehe, warum du dich selber eine Wortklauberin nennst
    weil du sehr genau Begriffe unterscheidest, die meist eher diffus für eine breitere Palette an Bedeutungen benutzt werden

    in anderen Sprachen werden da mehr Unterscheidungen gemacht
    z.B. sagen wir nur „Himmel“, im Englischen wird unterschieden zwischen „sky“ und „heaven“
    wir sagen „Glück“, dort heißt es entweder „luck“ oder „happiness“

    ich werde also versuchen, ebenso wie du Spüren und Handeln aufgrund von Empfindungen zu unterscheiden, damit wir nicht aneinander vorbei schreiben

    • mona commented on 25. April 2016 Reply

      super! aber du wirst sehen, vor allem könnte es dir auch selbst was bringen …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: