07| Gefahr von außen?

Leider musste ich die Erfahrung machen, dass mein Monolog 06 von einigen Leuten nicht richtig verstanden wurde. Wie schon gesagt, muss für mich etwas, das ich als logische Entwicklung bezeichne, für ALLE Bereiche des menschlichen Spektrums gelten. Bleibt eine Lücke, geht’s wo in eine andere Richtung, dann stimmt etwas nicht und ich muss weitersuchen.

Nun also wurde die Zuwanderung der Flüchtlinge als Argument gebracht. Angeblich ein Prozess, der von außen nach innen verläuft und der deshalb – nach dem was ich geschrieben habe, Macht ausübt, oder gar eine Sprengung der Strukturen unserer Heimatländer mit sich bringen wird.

Aber so stimmt das nicht.
Der Prozess verläuft absolut nicht von außen nach innen.

Europa ist das Große, was hereinkommt ist ein kleiner Prozentsatz. Auch in unseren Ländern (für mich relevant ist immer der deutschsprachige Raum, weil dieser ja mein direktes Lebensumfeld und meinen Kulturkreis bildet).
Erst wenn die Hälfte überschritten wird, kann das Prinzip vom Großen ins Kleine zum Tragen kommen. Ist doch logisch, oder?

Nicht alles, was von außen herein kommt, muss überdies das Ganze gefährden. Selbstverständlich kann auch von außen etwas hereingebracht werden, das der Entwicklung oder Gesundung förderlich ist. Das Gesamte zum Wachsen oder Blühen bringt.
Aber Wachstum muss von innen nach außen erfolgen.

Auch Gesundung kann nur von innen nach außen stattfinden. Weil auch die gesunden Anteile wachsen müssen, um Gesundheit zu erreichen. Wenn kranke Bereiche wachsen, wird das eundeutig nicht zu Gesundung führen.
Selbst wenn von außen etwas zugeführt wird, das zur Genesung beiträgt (wie z.B. eine Therapie), kann die Heilung nicht von außen nach innen stattfinden.
Auch wenn viele Menschen glauben, dass dies möglich ist. Diese legen dann ihre Gesundheit in die Hände der Ärzte.
Doch das ist leider ein oft verbreiteter Irrtum, der absolut nicht logisch verläuft.

Denn die Verantwortung für Gesundung liegt immer beim Einzelnen. Er ist derjenige, der eine Therapie sucht und ermöglicht.
Niemand kann einen Menschen gegen seinen eigenen Willen gesund machen!
Aber jeder Mensch kann sich durch seinen eigenen Willen krank machen!

Wenn allerdings von außen etwas Störendes oder Krankmachendes zugeführt wird, dann kann ein gesundes Ganzes jederzeit mit widrigen Elementen umgehen, sie neutralisieren, oder eigenverantwortlich nach Wegen suchen, diese einem Heilungsprozess zuzuführen und damit das Gesamte gesund erhalten. Aber nur, wenn die Richtung stimmt. Von innen nach außen.
Eigenverantwortung schließt die Richtung von außen nach innen logischerweise aus.

Konzentriert man sich auf die Störfaktoren, gibt man die Macht ab. Man hat eindeutig nicht mehr die Gesundung des Ganzen im Auge, sondern das Störende, das von außen kommt. Versucht man dann noch, das Störende gewaltvoll auszumerzen, kommt dies einer Amputation gleich.
Wenn man amputiert, heilt man jedoch nicht, sondern verringert die Größe des Ganzen und hindert es am Wachstum.
Alles was von außen nach innen gebracht wird, ist aber höchstens ein Samenkorn. Und es ist immer das Innen, das entscheidet, was es aus diesem Samen erwachsen lässt.

Dieses Prinzip ist deshalb für die Flüchtlingssituation ebenfalls zutreffend.
Nur wenn man die einzelnen Positionen vermischt, oder sie gar willentlich konträr anlegt, hebelt das den grundsätzlichen Prozess aus.

Das heißt nichts anderes als: Europa ist in sich nicht heil.
Die Gesellschaften unserer Heimatländer funktionieren leider schon lange nicht nach diesen Grundsätzen. Es wird bei uns nirgends darauf geachtet, das Gesamte zu pflegen. Jeder kocht nach wie vor sein eigenes Süppchen. Will die Einlagen mit niemandem teilen, sondern noch größere Fleischstücke in den eigenen Topf werfen.

Nicht das Kleine, das hereinkommt, fügt also Europa Schaden zu, sondern das Große ist bereits krank und da es nicht darauf achtet, etwas für seine Gesundung zu tun, und auch das was hereinkommt, dafür zu verwenden, wird es wohl immer kränker werden. Aber von innen nach außen.
Nicht von außen nach innen.

 

© m.l.

 

8 Comments

  • Traveller commented on 9. März 2016 Reply

    Europa ist das Große, was hereinkommt ist ein kleiner Prozentsatz.

    stimmt ! die EU hat rund 510 Mio. Einwohner
    selbst wenn jetzt 5 Mio. Flüchtlinge kämen, wären das weniger als 1 %
    und wenn die EU „gesund“ wäre, dann wären sich alle einig, dass man diese Menschen in die Gemeinschaft aufnehmen, vielleicht sogar von ihnen profitieren könnte

    statt dessen schotten sich Staaten ab, machen die Grenzen dicht
    und zwar nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für die Gemeinschaft untereinander
    da zeigt sich, wie es mit der Grundhaltung zu „Gemeinschaft“ bestellt ist

    • Traveller commented on 9. März 2016 Reply

      wobei ich gerade überlege:
      die Staaten sind ja noch nicht das Innerste
      diese Grundhaltung zu Gemeinschaft ist ja auch bei den Menschen selbst, in ihrem Alltag, im Umgang miteinander zu finden
      zumindest bei vielen

      ich merke das z.B. in unserem Dorf
      alle freuen sich, wenn z.B. ein Dorfmarkt oder ein Weihnachtstag organisiert wird
      aber mit anpacken, helfen, wenn Arbeit ansteht, da ziehen sich die meisten schnell zurück

      • mona commented on 13. März 2016 Reply

        Europa ist das Große, was hereinkommt ist ein kleiner Prozentsatz.

        stimmt ! die EU hat rund 510 Mio. Einwohner
        selbst wenn jetzt 5 Mio. Flüchtlinge kämen, wären das weniger als 1 %
        und wenn die EU „gesund“ wäre, dann wären sich alle einig, dass man diese Menschen in die Gemeinschaft aufnehmen, vielleicht sogar von ihnen profitieren könnte

        statt dessen schotten sich Staaten ab, machen die Grenzen dicht
        und zwar nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für die Gemeinschaft untereinander
        da zeigt sich, wie es mit der Grundhaltung zu „Gemeinschaft“ bestellt ist.

        dort sieht man ganz deutlich, wie das prinzip in die falsche richtung verläuft.
        das problem wird sein, dass es so eben nicht funktionieren wird. und wir deshalb auf einem enormen pulverfass sitzen.
        das sich noch dazu wieder von innen nach außen auflädt. also auf die weise, wo es funktionieren wird, wenn das derzeit „kleine“ über die mehrheit geht und zum „großen“ wird. dann wird das gesunde das kranke nicht kompensieren können.

        wobei ich gerade überlege:
        die Staaten sind ja noch nicht das Innerste
        diese Grundhaltung zu Gemeinschaft ist ja auch bei den Menschen selbst, in ihrem Alltag, im Umgang miteinander zu finden
        zumindest bei vielen

        ich merke das z.B. in unserem Dorf
        alle freuen sich, wenn z.B. ein Dorfmarkt oder ein Weihnachtstag organisiert wird
        aber mit anpacken, helfen, wenn Arbeit ansteht, da ziehen sich die meisten schnell zurück

        ganz genau. da kommen wir wieder an unseren immer wiederkehrenden ausgangspunkt zurück.
        die haltung, die einstellung des einzelnen ist der träger der gemeinschaft.
        so lange es aber leute gibt, die etwas für die gemeinschaft machen, „genügt“ es, dass es leute gibt, die etwas aus der gemeinschaft nehmen. weil dann eben ein geben und nehmen alles in fluss hält.
        jetzt kommt es natürlich darauf an, WAS diese leute in die gemeinschaft einbringen.
        ist es etwas positives – wie z.b. euer fest – dann entsteht der eindruck, dass ihr eine nette gemeinschaft seid, die gerne fröhliche feste organisiert (obwohl das aber in den augen derer, die sich für diese feste abstrudeln, gar nicht so ist)

        ist es aber, wie derzeit gut erkennbar, dass mehr leute in die gemeinschaft kotzen und die anderen eine schweigende mehrheit bilden, dann entsteht der eindruck, dass wir österreicher und deutschen eine braune masse sind, obwohl das gar nicht so ist.

        wenn nun (noch) mehr leute bei euch kein fest mehr organisieren wollen, dann sehen wir wieder, wie sich das große vom kleinen her verändern wird.
        und bei den staatengemeinschaften ist ja sowieso leicht erkennbar, wie sich diese trägerhaltung vom kleinen ins große auswirkt.

  • Traveller commented on 14. März 2016 Reply

    die haltung, die einstellung des einzelnen ist der träger der gemeinschaft.

    und eine positive Einstellung zu Gemeinschaft scheint mir immer mehr verloren zu gehen

    und das scheint gewollt zu sein, denn wenn Gemeinschaften sich in Einzelwesen auflösen, ist es viel leichter, sie zu kontrollieren, zu manipulieren etc.

    das zu erkennen ist eine Sache
    eine andere aber ist die Frage, ob sich diese Entwicklung stoppen lässt bzw. vielleicht sogar umkehren
    „vom kleinen ins große“ heißt dann ganz klar: ich selber muss entsprechend handeln und versuchen, dadurch andere mitzunehmen

    • mona commented on 14. März 2016 Reply

      haargenau. als einzelner hat man keine andere möglichkeit. und auch hier ist es so, dass sich die leute viel lieber auf das konzentrieren, worauf sie keinerlei einfluss haben, nämlich auf das große. alle wissen ganz genau, wie das große zu verändern wäre … von den anderen!
      jeder fußballfreund ist der bessere trainer als der, der die mannschaft sogar zur wm führt.

      reine energievergeudung. man bremst sich dort nur selber aus. und kann auch leicht von mutlosigkeit befallen werden.
      wenn man sich aber auf das richtige prinzip konzentriert, ist man wieder einmal im flusse der schöpfung unterwegs. was vielleicht nicht jeden interessiert. aber es geht einem auch selber damit am besten.

      • Traveller commented on 14. März 2016 Reply

        leute viel lieber auf das konzentrieren, worauf sie keinerlei einfluss haben, nämlich auf das große. alle wissen ganz genau, wie das große zu verändern wäre

        oder sie haben eben einen Grund, nichts zu tun, weil sie ja eh keinen Einfluss haben

        das Prinzip „vom kleinen ins große“ gefällt mir immer besser
        ich denke, dass ich – ohne mir dessen bewusst gewesen zu sein – schon ein Stück weit so lebe
        durch unsere Diskussionen angeregt, werde ich das im Alltag genauer verfolgen

        • mona commented on 15. März 2016 Reply

          oder sie haben eben einen Grund, nichts zu tun, weil sie ja eh keinen Einfluss haben

          du meinst, dass sie es als grund vorschieben? sicher auch viele.
          aber ich glaube, dass es oft auch unbewusst so abläuft. wie ich geschrieben habe, diese richtung lähmt einfach, weil sie dem menschen seine hilflosigkeit als einzelwesen vor augen führt. und DAS erzeugt ur-angst!
          aber dazu, wie angekündigt, demnächst in diesem theater …

          ich freue mich, dass ich dich mit meinem vom kleinen ins große anstecken konnte. obwohl – so wie ich dich kenne, hast du es ja auch bisher schon in vielen bereichen eh so gemacht. aber du wirst sehen, es bringt dir noch zusätzlich etwas, es nun auch zu wissen und wissentlich so vorzugehen.

  • Traveller commented on 22. März 2016 Reply

    🙂

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