05| Terrorwarnung

Das Jahr hat mit sehr schlimmen Nachrichten begonnen. In der Silvesternacht gab es unzählige sexuelle Übergriffe auf Frauen auf öffentlichen Plätzen.
Den Berichterstattungen sah ich mich äußerst differenziert gegenüber stehen. Die Übergriffe sind unbestritten, die kriminellen Handlungen für mich ebenfalls. Die Hintergründe, wie so etwas möglich war, sind für mich bis heute nicht transparent geworden. Viele Menschen waren vor Ort, viele starke einheimische Männer, und viele Polizisten.

Aber über diese Vorfälle ist schon sehr viel geschrieben worden und ich möchte mich da keineswegs ebenfalls an diesem Thema vergreifen. Ich war nicht vor Ort, aus gutem Grund, wie ich schon unter 04| Meine Angst geschrieben habe.

Die Stellung der Frau als gepushtes Sexualobjekt des herrschenden Zeigeistes wird mit Sicherheit auch irgendwann Thema eines Monologes sein, aber nicht des jetzigen.

Hier geht es mir darum, dass im Anschluss an die Ereignisse der Silvesternacht eine Lawine von Angstmacherei losgetreten wurde. Es wurde uns Frauen suggeriert, dass wir wegen der Zuwanderer unseres Lebens nicht mehr sicher wären.

Und leider musste ich erkennen, dass dies richtig ist.
Aber die Gefahr kommt nicht von den Flüchtlingen und Asylwerbern, sondern von dem, was der Zuzug dieser Menschen in meinen Mitbürgern ausgelöst und in weiterer Folge ungehemmt freigelegt hat.

Es stimmt. Ich fühle mich in meinem Heimatland meines Lebens nicht mehr sicher.

„Das Volk“ brüllt Gewaltparolen. Nachbarn bewaffnen sich, bilden Bürgerwehren und fordern die Vogelfreiheit. Die Polizei schützt die Angreifer und nicht die Opfer. Die Politiker wirken absolut hilflos. Die Partei der Pöbler und Hetzer kommt zu großem Ansehen.

Mein Alltag hat sich dadurch enorm verändert.

Sehe ich irgendwo zwei oder drei südländisch aussehende Männer, schaue ich sofort um mich, ob sich nicht bereits wo ein paar Gröler zusammenrotten, die diese attackieren. Denn leider ist dieses Vorgehen bereits an der Tagesordnung.
Aus vorbeifahrenden Autos werden Menschen beschimpft. Aber keineswegs nur jene, die hier untergebracht wurden, sondern auch jene, die ihnen zu Hilfe kommen, also auch ich.
Derzeit geht es zwar meistens „nur“ um verbale Attacken, aber diese erzeugen enorm aggressive Stimmungen, geht man auch nur bei der Tür hinaus.

Gehe ich in die Flüchtlingsunterkunft, in der ich regelmäßig die Leute besuche, um zu erfahren wie ich helfen kann, mit ihnen plaudere und deutsch lerne, wird es mir oftmals mulmig. Denn nicht erst einmal musste die Polizei dahin ausrücken.
Aber nicht, weil die Bewohner einen Einsatz erforderten, sondern weil sich auf dem Vorplatz ein paar „Bürgerschützer“ eingefunden hatten, die dort heftigst randalierten.

Die Wände der Pfarre, welche die betreuende NGO stellt, wurde mit Parolen beschmiert. Aber nicht mit islamistischen, sei nur der Ordnung halber hier angeführt.
Und so weiter, und so fort …

In unserem Nachbarland brennen bereits die Unterkünfte.
Ohne Rücksicht auf Verluste. Weder an Menschenleben, als auch an eingewohntem Besitz und wirtschaftlichem Schaden für das Land. Vom Imageschaden ganz zu schweigen.

Der Terror hat mich erreicht. Aber nicht der Terror der in der ganzen Welt seit vielen Jahren besteht, weil die westliche Gesellschaft mit ihrem Wertesystem ja genügend Ansatzpunkte für kriminelle Machenschaften bietet. Vor dem ein Großteil der Bevölkerung Europas jedoch gekonnt die Augen verschlossen hat, um weiterhin glauben zu können, auf einer Insel der Seligen zu leben.
Dieser Terror ist nach wie vor nicht Bestandteil meines Lebens. Letztendlich wird dieser sogar von unseren ansonsten eher feig herumtorkelnden Regierungen noch immer propagandistisch bekämpft und der Schulterschluss dagegen ist in der Bevölkerung ziemlich intakt.
Hier ist klar: das Böse ist das Böse, und man kann sich als aufrechter Bürger gut positionieren.

Doch jetzt wird dem Terror in meinem Alltag Tür und Tor geöffnet. Weil hier nicht mehr klar ist, was und wo das Böse tatsächlich ist. Es einfach auf das Fremde projiziert wird. Doch das Böse hat sich ein völkisches Mäntelchen angezogen. Ein braunes. Ein gewaltvolles. Ein zerstörerisches. Und greift als Terror täglich in mein Leben ein.

Üblicherweise wird bei Terrorgefahr die Bevölkerung von offizieller Seite gewarnt, werden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht, wird versucht, vermehrt aufzuklären, auch gebeten, die persönliche Wachsamkeit zu verstärken.
Doch hier wird nur von Privatpersonen gewarnt, nur von diesen versucht, aufzuklären. Diese werden dann in die Ecke der Nestbeschmutzer gebrüllt – und womöglich bald auch geprügelt. Denn die öffentliche Sicherheit legt ihr Augenmerk auf andere Bereiche, als auf die zum Schutz der Bürger gegen die wahrhaften Brandstifter. Die Politiker haben andere Sorgen, sie müssen das Draußen draußen halten und haben für das Innen kein Konzept.

Am gefährlichsten sind – wie in beispielgebender grauenhafter Vorzeit – wieder die Mitläufer. Die wehleidigen Naziverdacht-abwimmeln-wollenden, die damit soviel zu tun haben, dass sie gar nicht erkennen, wie ihr Gedankengut von brauner Soße überflutet wird. Sie entfachen einen sich ständig erneuernden Mob des Pöbels.

Und an denen prallen die Warnungen vor dem Terror durch die echten Zerstörer von Stabilität durch Frieden und Sicherheit leider ab.

 

© m.l.

32 Comments

  • Traveller commented on 1. März 2016 Reply

    ich gestehe, dass ich bei Nachrichten von Übergriffen auf Frauen immer wieder stutze
    es werden Täter herausgestellt, die anscheinend „fremdländisch“ sind – das schürt Angst und befördert Ablehnung

    dass aber tagtäglich Frauen von „Einheimischen“ angemacht werden (wie du ja auch in einem anderen Monolog schon geschrieben hast) und dass ein „Nein“ eben auch hier oft nicht als „Nein“ akzeptiert wird, darüber hört man wenig bis kaum etwas

    ich mag es nicht, wenn mit verschiedenem Maß gemessen wird

    * * * * * * * * * *

    aber es geht dir ja nicht schwerpunktmäßig um diese Übergriffe, sondern um die Gewalt, die sich immer mehr ausbreitet, und die von sogenannten „besorgten Bürgern“ ausgeht

    mich erschreckt das zutiefst, weil ich selber so naiv bin und von anderen erstmal nichts Böses erwarte – auch nicht von „Fremden“

    dass Menschen hergehen und andere angreifen, die hier Zuflucht suchen, dass sie zerstören, was den Flüchtlingen helfen soll, dass sie immer aggressiver werden, obwohl man ihnen doch gar nichts tut, nichts wegnimmt etc. – das kann ich nicht verstehen, nicht nachempfinden
    und weil dieses Verhalten immer mehr wird (zumindest scheint es so, wenn man Nachrichten hört und liest), macht mir das auch Angst
    wenn Hass und Gewalt entfesselt sind, weiß ich nicht, wie weit sie gehen

    • mona commented on 2. März 2016 Reply

      genau darum geht es mir auch. um diese unglaubliche verzerrung.
      die tatsachen bleiben ja unbestritten. aber es kommt doch immer darauf an, wie sie in relation gesetzt werden.
      dass kein missverständnis entsteht: selbstverständlich ist für jede frau, die belästigt oder mehr wird, die relevanz für die öffentlichkeit uninteressant und dafür sollte sie es auch sein. aber zur beurteilung einer allgemeinen lage darf die relation doch nicht ausgehebelt werden.

      und die angstmache finde ich sowieso äußerst verhängnisvoll. sie ist reiner manipulationsversuch. der leider viel zu oft gelingt.
      damit wollen andere ihre eigenen ängste betäuben, sie auf etwas abladen, dem sie sich hilflos gegenüber sehen. ausreden für ihr eigenes verhalten schaffen.

      es gibt menschen, die entwickeln mut, wenn sie angst haben und versuchen, lösungen zu finden, sich mit anderen zu verbünden, die etwas zum abbau der ängste beitragen.

      und es gibt leute (ich mag sie nicht menschen nennen), die schlagen in angst blind um sich, ohne rücksicht auf verluste. auch sie versuchen, sich mit anderen zu verbünden. weil sie feig sind, mit „großen starken, wie in einem anderen kommentar schon geschrieben. es ist ihnen nicht einmal möglich, zu erkennen, dass sie gegen sich selbst damit vorgehen.

      und diese leute sind gefahr für ALLE, weil sie unberechenbar und natürlich auch keinerlei argumenten zugänglich sind.

  • Traveller commented on 2. März 2016 Reply

    Angst ist ein sehr starkes Gefühl, Angst hat mit (vermeintlich) existentiellen Situationen zu tun, denke ich
    was unterscheidet Menschen, die Lösungen für ihre Situation suchen, von denen, die um sich schlagen?

    • mona commented on 2. März 2016 Reply

      angst ist wohl mit sicherheit der stärkste antrieb überhaupt im menschen. sie spricht direkt den überlebenstrieb an. auch das überleben einzelner bereiche …

      was unterscheidet Menschen, die Lösungen für ihre Situation suchen, von denen, die um sich schlagen?

      nun, ich denke, das ist einfach die selbstverantwortliche entscheidung, was ich aus und mit meiner angst mache.

      ängste kann man nur durch langwierige aufarbeitungsprozesse verlieren, bzw. wenigstens mindern. das auftreten von angst ist deshalb so gut wie nicht steuerbar. die reaktion aber wähle ich immer selbst.

      • mona commented on 2. März 2016 Reply

        allerdings ist bei der angst auch noch wesentlich zu unterscheiden. was ist die ur-angst, also die angst, die wichtige, und vor allem richtige impulse gibt, um überleben zu können.
        und was ist einfach neurotische angst, also anerzogene. aber das ist wohl besser thema für einen späteren eigenen monolog 😉

  • Traveller commented on 2. März 2016 Reply

    nun, ich denke, das ist einfach die selbstverantwortliche entscheidung, was ich aus und mit meiner angst mache.

    selbstverantwortlich klingt so nach bewusster Entscheidung
    ich glaube, dass viele ihre Angst gar nicht so bewusst wahrnehmen, dass sie eine entsprechende Entscheidung treffen (können)
    bei vielen wird es eher ein reflexartiges Reagieren sein, vermute ich

    hat nicht jeder von uns eine Art Grundstrategie, wie er/sie mit Problemen umgeht?
    ich glaube, dass wir umso stärker an diese Grundstrategie gebunden sind, je existenzieller uns ein Problem bedrängt

    • mona commented on 2. März 2016 Reply

      selbstverantwortlich klingt so nach bewusster Entscheidung

      klingt so, ist es aber nicht unbedingt.
      die verantwortung des selbsts ist unauflösbar.
      man KANN für nichts die selbstverantwortung abgeben. muss sie für alles übernehmen.
      sogar für gemeinschaftliche entscheidungen, oder für einen blumentopf der einem auf den kopf fällt, den ein anderer hinuntergestoßen hat.

      ich übernehme die verantwortung NICHT, ist ein absolut inhaltsleeres wortgerüst.
      nichts anderes.

      wie willst du für irgendetwas, das mit deinem leben zusammenhängt, die verantwortung abgeben, sie jemandem anderen übergeben?
      DU musst immer damit leben!
      kannst nichts ungeschehen machen, was dir jemand antut, also es geht nicht nur um das, was du jemandem antust.

      an der strategie zu arbeiten, ist eigentlich DAS LEBEN. und wieder liegt es in unserer eigenen verantwortung, in welche richtung wir die strategie lenken.

      ich denke, wichtig ist, diesen ersten schritt zu erkennen. nur dann kann man auf bewusster ebene in diese prozesse eingreifen.
      tut man es nicht, bleibt man ein gefangener der falsch verstandenen verantwortung.

  • Traveller commented on 2. März 2016 Reply

    DU musst immer damit leben!

    okay, das stimmt
    und ich muss verantworten, wie ich mit dem umgehe, was z.B. andere mir antun

    ich glaube, hier liegt ein Knackpunkt:
    vielleicht werden Verantwortung und Schuld oft verwechselt
    ich bin nicht Schuld daran, was mir jemand antut
    aber ich habe die Verantwortung, wie ich damit umgehe

    es ist wohl bequemer, bei „Schuld ist der andere“ stehen zu bleiben, weil ich passiv bleiben kann

    und dann sind wir wieder bei der Angst
    wenn ich die Schuld an meiner Angst bei anderen sehe, hinterfrage ich das Gefühl nicht, reagiere höchstens im Rahmen meiner Muster (die einen leiden, die anderen schlagen um sich)

    Selbstverantwortung heißt dann, mich mit meiner Angst auseinanderzusetzen
    woher kommt sie wirklich? was sind die Auslöser? was kann ich tun, um die Situation zu entschärfen? usw.

    • mona commented on 2. März 2016 Reply

      ja, ich glaube auch, dass dort der knackpunkt liegt.
      weil ich glaube, dass die meisten menschen gerne beim verursacher stehen bleiben. geben ihm schuld. sehen sich als opfer. und aus.
      es fehlt sehr vielen an der konsequenz etwas zu ende zu denken. sie hören an ihrem schmerzpunkt auf.

      die konsequenz im denken ist auch etwas, das mich in diesen tagen sehr beschäftigt. weil man so oft erkennt, dass die leute gar nicht an die konsequenzen denken für das, was sie einfach so vor sich hin fordern. denn die konsequenz liegt ja dann im handeln.
      und mit vielen handlungen wollen sich die parolenschreier dann eigentlich nicht identifizieren lassen.

      drum sehe ich das als so wichtig an, zu erkennen, dass es wesentlich ist, wie man mit seiner angst umgeht. es hat keinen sinn, sie nicht wahrzunehmen, oder zu versuchen, sie zu unterdrücken. und es gibt ja auch noch den überdrüber fall von der angst vor der angst!
      aber man kann sich nie auf sie ausreden! denn was daraus entsteht, obliegt unserer eigenen entscheidung. darum sollten wir die angst als unseren partner ansehen! als unsere chance, etwas (auch für uns) zu verbessern.

      • Traveller commented on 4. März 2016 Reply

        weil man so oft erkennt, dass die leute gar nicht an die konsequenzen denken für das, was sie einfach so vor sich hin fordern. denn die konsequenz liegt ja dann im handeln.

        um kurz zu den Flüchtlingen zurückzukehren:
        ein Land macht die Grenze zu, weil es sagt, dass es so nicht weitergeht
        die Flüchtlinge stauen sich im nächsten Land, also macht das auch die Grenzen dicht
        und so staut sich alles immer mehr und wir sehen Bilder von einem Lager an der mazedonischen Grenze, das aus allen Nähten platzt, wo absolut grauenvolle Verhältnisse herrschen und wo die Menschen, die eigentlich vor solchen Verhältnissen fliehen wollten, jetzt festhängen und verzweifeln

        drum sehe ich das als so wichtig an, zu erkennen, dass es wesentlich ist, wie man mit seiner angst umgeht. es hat keinen sinn, sie nicht wahrzunehmen, oder zu versuchen, sie zu unterdrücken

        Angst ist ein Warnsignal, ein sehr ursprüngliches und starkes
        eine Warnung nicht ernst zu nehmen, wäre fatal, das stimmt
        aber eine Warnung ist auch eine Art Aufforderung zum Handeln, oder?
        und da ist es besser, aktiv etwas tun tun als durch Nicht-Tun (auch eine Handlung) passiv zu bleiben, weil dann andere handeln
        und da wären wir wieder bei der Selbstverantwortung 😉

        • mona commented on 4. März 2016 Reply

          ach, es tut richtig gut, dass du hier bist!
          du verstehst mich und kannst damit etwas anfangen, was ich monologisiere.
          und vor allem tut es mir gut, weil ich erkenne, es gibt menschen, die vieles auch so sehen wie ich, oder sagen wir so – wo die richtung stimmt.
          denn manchmal fühle ich mich schon sehr allein mit meiner einstellung. weil sich diskussionen so oft in verteidigung meiner ansichten erschöpfen. an punkten stehen bleiben, wo ich schon längst weiter gedacht habe. ich würde mich aber gerne weiter entwickeln und weiter denken und nicht zurück. auch wenn ich immer gerne das hinterfrage, das ich bereits als these für mich aufgestellt habe. aber NUR verteidigen bringt mich zwar nicht von meiner meinung ab, aber es macht mich eben oft ein wenig hoffnungslos im hinblick auf gesellschaft.

          • mona commented on 4. März 2016

            und zu deinem gedankengang mit den flüchtlingen.
            die konsequenzen gehen dann ja noch weiter. sie führen nämlich zu einem selbst. und bis dorthin denken die wenigsten.
            sie führen dorthin, dass sich menschen eingestehen müssten, dass sie mit dieser forderung einem anderen menschen, und noch einmal konsequent weitergedacht, einem kranken, oder waisen-kind einfach nicht helfen würden! es zurückstoßen, bedrohen, dem tod aussetzen würden.
            na, in der persönlichen konfrontation würde das wohl so ziemlich jeder entrüstet zurückweisen. sowas machen doch nur die „anderen“. aber das stimmt so nicht. die konsequenz geht ebenfalls vom kleinen ins große!

          • Traveller commented on 5. März 2016

            ich glaube, viele Menschen versuchen gar nicht, die Gedanken ihres Gegenübers erst mal zu verstehen, ehe sie diskutieren bzw. angreifen
            für mich ist das hier ein Anstoß, über Themen bewusst nachzudenken, was mich mit Sicherheit weiterbringt – danke dafür

            und was die Konsequenzen angeht:
            stimmt, wir bleiben meist zu früh stehen
            vielleicht haben wir so eine Art Radius, bis zu dem wir Konsequenzen bedenken, weil sie darüber hinaus uns nicht direkt betreffen
            und dann bringen wir diese weiter reichenden nicht mehr mit unseren Handlungen in Verbindung

            das ist z.B. genauso, wenn es um unsere Umwelt geht
            wir erschrecken, wenn wir Bilder von Unmengen Plastik im Meer sehen, nehmen aber beim nächsten Einkauf wieder eine Plastiktüte an der Kasse
            wir schütteln uns, wenn wir Bilder von Massentierhaltung sehen, kaufen trotzdem das Billighähnchen (wobei hier die Kette von Handlung zu Konsequenzen sogar recht kurz ist)
            ich könnte noch unzählige Beispiele finden

            und ich gestehe, ich bin da auch nicht wirklich konsequent

  • mona commented on 5. März 2016 Reply

    ich wiederum glaube, dass der konsequenzradius dort einsetzt, wo eigenverantwortlichkeit gefragt ist. bei all diesen forderungen ist es doch so, dass verlangt wird, dass die anderen das durchsetzen. ich glaube, es gibt nur wenige menschen, die tatsächlich selber töten möchten (also nur kranke oder schwer kriminelle), aber die tötung von anderen zu fordern, da haben viel weniger probleme damit. sie schicken ja auch nachbarn und mitbürger in den krieg (nur die familie nicht so gern, wenn möglich) und fordern von diesen, dass sie die anderen umbringen.
    im kriegsgeschehen selber wieder tritt dann eher das massenphänomen in kraft. da rennen alle herum und schießen z.b., da ist man leichter dabei. hat überdies das gefühl der selbstverteidigung, weil man ja selber auch in gefahr ist.
    ich glaube aber, dass es nur wenige menschen gibt, die in den krieg ziehen, weil sie töten möchten! du verstehst sicher den unterschied, wie ich ihn meine.

    und auch die leute, die im krieg getötet haben, kommen ja mit diesem vorgang nicht von selbst klar. einige zerbrechen, einige können aufarbeiten und die masse verdrängt. das kennen wir doch von unseren altvorderen so.

    aber die forderung „geht hin und gebts ihnen“, die kann man schnell hören.

    bei der von dir angeführten konsequenz im alltag halte ich persönlich es so: für mich ist es wichtig, mich selbst nicht zu belügen. wenn ich also plastiksackerln verwende, dann weiß ich, was ich tue. aber da setzt bei mir ein anderes prinzip ein. das, dass an mich forderungen gestellt werden, die eigentlich ganz anders geregelt gehörten.
    beispiel: ich bin haarspray verwenderin. und dauernd wird mir vorgeworfen, ich fördere das ozonloch, weil eben darin stoffe enthalten sind, die dafür giftig sind.
    jetzt frage ich dich: wieso wird so etwas nicht verboten? sondern „nur“ von mir als einzelnem gefordert, dass ich ihn nicht verwenden soll?
    es ist heute so, dass du nichts mehr essen oder trinken kannst, wo nicht gifte drinnen sind. es wird energie vergeudet, die luft verpestet, das wasser verunreinigt, die wälder abgeholzt und was weiß ich alles. das kann ich als einzelner nicht durchblicken und auch nicht verändern!
    deshalb muss ich mich entscheiden. wo ich der wirtschaft zuspiele und wo nicht. denn um nichts anderes geht es ja.
    aber ich möchte es nicht verdrängen.

    der unterschied zu den flüchtlingen aber ist der, dass ich mich da menschlich entscheiden muss. wie stehe ich anderen menschen gegenüber?
    ich habe einen – wieder einmal – einfachen grundsatz:
    selbstverständlich möchte ich, dass es mir gut geht, ich schaue schon sehr genau auf mein wohlbefinden. ABER, ich möchte dies niemals damit erreichen, dass ein anderer dafür sterben muss. dann solls mir lieber nicht so gut gehen. niemals und in nichts möchte ich mein leben gegen das eines anderen stellen.
    in der weltwirtschaftslage kann ich da nicht viel entscheiden, aber wenn vor unserer tür menschen in not stehen, dann kann ich nicht auf meinem gewärmten hintern sitzen und es mir einfach gut gehen lassen. und wenn schon nicht anders, dann zumindest gedanklich oder gefühlsmäßig nicht. was ja dann sowieso der ausgangspunkt für handlungen ist.

  • Traveller commented on 7. März 2016 Reply

    zum Konsequenzradius:
    ich glaube, wir sind da gar nicht weit auseinander
    ich hatte mich auf das Bedenken von Konsequenzen bezogen, also dass der Mensch aufhört, weiterzudenken, wenn die Konsequenzen seinen direkten Bereich nicht mehr betreffen
    und das passt natürlich auch dazu, dass ich von anderen etwas fordere, was ich selber nicht machen würde/möchte – und die Konsequenzen dann nicht mehr als zu mir gehörig ansehe

    das kann ich als einzelner nicht durchblicken und auch nicht verändern!
    deshalb muss ich mich entscheiden. wo ich der wirtschaft zuspiele und wo nicht. denn um nichts anderes geht es ja.
    aber ich möchte es nicht verdrängen.

    es stimmt, dass wir vieles nicht durchblicken können, aber ich weiß nicht, ob nicht auch einzelne bzw. wenige etwas verändern können
    ich habe gelesen, dass es z.B. nur 3 – 5 % einer Gesellschaft braucht, um neue Wege anzustoßen, diese müssen aber in allen gesellschaftlichen Bereichen zu finden sein
    allerdings scheint es schwierig, diese breitgestreute (wenn auch kleine) Basis zu finden

    wie stehe ich anderen menschen gegenüber?
    ich habe einen – wieder einmal – einfachen Grundsatz

    und das, was du dann schreibst, ist wirklich ein ganz grundlegener Punkt
    ein Punkt, den im Prinzip einerseits Kant in seinem kategorischen Imperativ anführt, und der andererseits in dem schlichten Sprichwort steckt: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.
    und so kann man sich überlegen, wie man selber z.B. als Flüchtling behandelt werden will
    aber dazu braucht es Empathie, Einfühlungsvermögen – und daran fehlt es leider viel zu oft

    • mona commented on 7. März 2016 Reply

      also mir geht es gar nicht so sehr darum, wie ich von anderen behandelt werden will – also als flüchtling, aber auch nur als freund z.b. mir geht es wirklich einfach darum, wie ich „sein“ will.
      immer wenn ich mich an diesen punkt heranbringe, wird es eigentlich einfach …

      ich muss allerdings sagen, ich gehe da auch von einem ganz besonderen grundsatz aus.
      jeder mensch hat nur EINE art, mit sich und dem leben umzugehen, nur einen einzigen lebensplan.
      wenn er sich auf einer seite so zeigt und auf der anderen seite so, dann ist das auch schon ein gemeinsamer nenner, dann steht er eben so im leben – immer unwahr.
      aber prinzipiell steht man jedem und allem mit einer einzigen grundhaltung gegenüber. wenn sich verschiedene situatioen daraus ergeben, dann ist das nur deshalb, weil die gegenüber sich unterschiedlich zeigen und verhalten.
      den habe ich übrigens von alfred adler, zumindest angeregt wurde es von seinem werk. (ich bin ein großer adler-fan! er war der erste, durch dessen psychologischen denkansatz ich mich total angesprochen fühlte. andere folgten dann schon noch, aber es gab einige vorher, mit denen ich mich gar nicht anfreunden konnte.)

      es stimmt, dass wir vieles nicht durchblicken können, aber ich weiß nicht, ob nicht auch einzelne bzw. wenige etwas verändern können

      selbstverständlich können auch einzelne etwas verändern – und auch (vom kleinen ins große 😉 )einen stein ins rollen bringen. das ist unbestritten.
      und selbstverständlich sollte man sich für sich allein auch so verhalten, wie eben in der öffentlichkeit – passt gleich zum vorigen absatz.

      aber dennoch ist es für mich ein anderes problem.
      man müsste heute wirklich alles selber machen. auch teure markenware wird heutzutage von kindern in irgendwo genäht. und auch in österreich und deutschland werden arbeitskräfte ausgebeutet. natürlich schaue ich bei den produkten darauf, dass ich nicht das kaufe, was schon auf den ersten blick das schlimme dahinter erkennen lässt, aber ausschließen kann man heute gar nichts mehr.
      also da stehe ich keinem menschlichen grundsatzproblem gegenüber, das ich selbstverständlich sofort damit beantworten würde: für mich braucht kein kind was nähen, ich würde mir halt dann nur einen neuen fetzen im jahr kaufen. aber wie soll ich das kontrollieren?

      so wie ich bei den flüchtlingen ja auch nicht kontrollieren oder direkt eingreifen kann, wie die an den grenzen behandelt werden, wie sie in den heimen gehalten werden, usw.
      ich gehe in EIN heim und schaue, dass ich dort irgendetwas helfen kann, aber mehr kann ich da auch nicht.

      das ist für mich ein gewaltiger unterschied.
      aber mein „sein“ will diese methoden einfach nicht akzeptieren oder als nötig ansehen. ich weiß genau, ICH will das nicht. und ich würde das niemals fordern, damit es mir „gut geht“.

      und so bleibt mir nichts anderes, als da dazwischen irgendwo meinen eigenen weg zu suchen. ohne dass dieser als selbstversorger mitten im wald ablaufen muss.
      aber wenigstens meine einstellung muss eindeutig sein. sonst kann ich nicht nach möglichkeiten zur umsetzung ausschau halten.

  • Traveller commented on 9. März 2016 Reply

    jeder mensch hat nur EINE art, mit sich und dem leben umzugehen, nur einen einzigen lebensplan.

    das glaube ich auch
    ansonsten hätten wir wahrscheinlich eine dissoziative Persönlichkeitsstörung, oder?

    ich denke, wenn man genau hinschaut, kann man in den unterschiedlichen Situationen schon beim anderen erkennen, was für eine Grundhaltung dahintersteht
    auch wenn dem Gegenüber diese vielleicht selber nicht bewusst ist

    das „wie will ich sein“ ist doch aber sozusagen die (moralische) Grundlage für die Frage „wie will ich handeln“
    und damit sind wir wieder beim kategorischen Imperativ 😉

    und das „vom kleinen zum großen“ passt natürlich, weil ich erstmal nur in meinem kleinen Umfeld entscheiden und handeln kann
    natürlich auch nur auf Basis der Informationen, die ich bekomme (also auch eingeschränkt)

    aber wenigstens meine einstellung muss eindeutig sein. sonst kann ich nicht nach möglichkeiten zur umsetzung ausschau halten

    das unterschreibe ich

    • mona commented on 13. März 2016 Reply

      ja, wir sind wieder beim kategorischen imperativ. aber ich glaube, wir haben ihn in wesentlich leichter verständliche worte gefasst *gg*
      einfach, weil wir gut herausgearbeitet haben, worum es moralisch und ethisch für den einzelnen geht. um seine eigene verantwortung sich selbst und der gemeinschaft gegenüber.

      natürlich können wir nur aufgrund der informationen entscheiden, die uns vorliegen. deshalb ist es umso wichtiger, eine grundlage aus emotionaler wahrheit in sich zu finden, die unabhängig von äußeren situationen funktioniert.
      leider handelt ein großteil der menschheit nach dem umgekehrten prinzip. nach gedachter „wahrheit“, die aber viel trügerischer ist, auch wenn sie von diesen dann als realität bezeichnet wird.
      aber jeder hat eine andere realität, weil sie vom außen abhängig ist.
      doch jeder hat die gleiche emotionale wahrheitsgrundlage in sich.

  • Traveller commented on 14. März 2016 Reply

    aber jeder hat eine andere realität, weil sie vom außen abhängig ist.

    dass Realität für verschiedene Menschen verschieden ist (bzw. sein kann), denke ich auch
    einerseits, weil wir vielleicht unterschiedliche Informationen bekommen (von außen), weil wir in unterschiedlichen Umfeldern leben
    andererseits doch aber auch, weil wir die Realität unterschiedlich wahrnehmen aufgrund unserer persönlichen Disposition
    (wobei die auch von außen beeinflusst wird, z.B. durch Erziehung etc.)

    doch jeder hat die gleiche emotionale wahrheitsgrundlage in sich.

    das verstehe ich nicht
    was meinst du mit „emotionale wahrheitsgrundlage“?

    • mona commented on 14. März 2016 Reply

      emotionale wahrheit ist für mich das, was jeder mensch an gefühlsausrüstung in sich trägt. das ist bei allen gleich. was nicht gleich ist, ist was daraus gemacht wird. also durch konditionierung, ängste, neurosen. es wird viel unterdrückt, verbildet usw. das ist schon klar,
      aber die grundlage ist bei jedem gleich vorhanden. innen sozusagen. die ist bei der geburt einfach angelegt.
      beim hirnwissen ist das nie so. es wird in jedem fall von außen aufgenommen. da ist nur angelegt, DASS wir unser hirn benützen können (auch wenn das bei so manchem heutzutage nicht erkennbar ist). doch was wir im kopf lernen wird von außen gesteuert, auf jeden fall stark beeinflusst. denn selbstverständlich lernen wir auch im kopf durch eigene erfahrungen.
      doch was wir innen spüren, steuern nur wir selbst. auch wenn es in interaktiven situationen anders aussieht.

      leider sehen die meisten menschen es so, dass das gefühl das unsichere im leben ist. und versuchen, sich an der realität festzuhalten.
      doch ist es genau umgekehrt. je näher wir uns an unserem gefühl befinden und orientieren, desto sicherer ist man als mensch.

      auch hier wieder das zeichen der machtausübung. über hirn kann man die menschen viel besser manipulieren als über gefühle. weil man ihnen über hirn angst anzüchten kann.

      allerdings muss der mensch erst einmal unterscheiden können, was überhaupt gefühl ist. nicht alles was er spürt ist ein gefühl. er kann auch ängstlichkeit, unzufriedenheit, frust, reiz, aber auch kälte oder schmerz spüren. ich persönlich unterscheide deshalb gerne zwischen spüren und empfinden, das ist aber eine höchst persönliche wortklauberei und die erklärung würde hier nun zu weit führen. nur so viel: gefühl betrifft für mich das wesentliche sein des menschen und nicht seine gesamt-existenz.

      ich glaube, darüber wäre ein neuer monolog gar nicht uninteressant … vor allem über die facetten der angst, bzw. die unterscheidung von angst und ängstlichkeit …

  • Traveller commented on 14. März 2016 Reply

    emotionale wahrheit ist für mich das, was jeder mensch an gefühlsausrüstung in sich trägt.

    ah, dann ist das jetzt klar für mich

    diese Grundlage ist wohl das Einzige, auf die ein Neugeborenes sich „verlassen“ kann, weil es ja noch kein „Hirnwissen“ hat (außer dem, vielleicht, was es im Mutterbauch schon gelernt hat)

    während unserer Entwicklung kommt Wissen, kommen Erfahrungen von außen dazu, verändern oft auch den Zugang zu den Gefühlen, verschütten ihn

    mir fällt da das Stichwort „Bauchgefühl“ ein
    ich gehöre zu den Menschen, die auf dieses Gefühl tief aus dem Inneren vertrauen
    und in dem spannenden Buch „Bauchentscheidungen“ von Gerhard Gigerenzer wird z.B. erläutert, dass solche intuitiven Entscheidungen oft besser sind als das detaillierte Abwägen von Pro und Kontra

    geht das zu weit weg von deiner Gefühls-Vorstellung?
    ich kann nachvollziehen, dass ein qualitativer Unterschied besteht zwischen dem Spüren von Kälte oder Schmerz und dem Empfinden von Angst oder Freude
    bei einem Gefühl (im weitesten Sinn) zu unterscheiden, ob es das Wesentliche betrifft oder nicht, stelle ich mir schwierig vor
    bzw. dazu müsste ich mir ja erstmal genau klar werden, was das Wesentliche des menschlichen Seins ausmacht

    • mona commented on 14. März 2016 Reply

      nein, das geht überhaupt nicht zu weit weg von meiner gefühlsvorstellung. sondern trifft sie eigentlich ganz genau!

      zuerst ist das gefühl da, dann kommen die hirnmäßigen erkenntnisse. aber es gibt leider noch einen riesigen bereich, der dies alles vollkommen durcheinander bringt: die ambivalenz zwischen dem, was man spürt und dem was man lernt, was es sein soll.

      extrembeispiel: ein kind, das spürt, dass die mutter es liebt, aber von ihr vernachlässigt, oder gar geprügelt wird.
      auch das umgekehrte ist nicht besser: ein kind, das die liebe der mutter nicht spürt, dem aber erklärt wird, wie die liebe der mutter sehr wohl aussieht.

      das problem liegt dort, dass eben im erwachsenenleben schon vieles das bauchgefühl verschüttet hat, wie auch du schreibst (und wahrscheinlich der von dir zitierte autor).
      deshalb glauben die leute dann, sie könnten durch denken gescheitere entscheidungen treffen.
      ich für mein teil habe tatsächlich durch eine krankheit die notwendigkeit des spüren erkannt und dann – ich möchte fast sagen mühseligst – gelernt!
      es hat meine gesundung gebracht!

      aber ich weiß, dass sich das viele menschen gar nicht vorstellen können. erstens, dass es so ist und zweitens, dass man es lernen muss, aber kann. jeder glaubt, er spürt von allein.

      die unterscheidung der empfindungen ist gar nicht so schwer. man muss sie nur einmal für sich selbst aufteilen in klare begriffe. und dann versuchen, sie zuzuordnen. zuerst einmal übers hirn ;-), aber schließlich haben wir ja eins.
      dann bekommt man da mehr sicherheit und wenns brenzlig wird, hat man dann schon eine große hilfe.
      ich verwendete tatsächlich lange zeit dafür ein vokabelheft, wo ich auf der einen seite die gemütsbewegung schrieb und auf der anderen seite dann meine zuordnung.
      es ist auch sehr spannend, das zu tun!

      ich z.b. habe sie aufgeteilt in „gefühle“ und „empfindungen“. wie gesagt, eine höchst persönliche belegung.
      gefühle sind für mich die seinsaustattung – und da gibt es wahrlich nicht viele. das erleichtert alles ein wenig.
      empfindungen betreffen die bereiche des körpers und – reaktionen! die sind sehr wichtig, sie zu erkennen. vieles was man fühlt, sind nämlich einfach reaktionen … reaktive empfindungen – aber für mich kein „spüren“.

  • Traveller commented on 14. März 2016 Reply

    ich greife mal dein Beispiel Angst vs. Ängstlichkeit auf
    wenn ich dich richtig verstehe, ist Angst ein Gefühl, gehört also zu unserem inneren Sein
    Ängstlichkeit wäre dann als Reaktion auf äußere Umstände eine Empfindung

    ich stelle es mir wieder mal schwierig vor, bei solch ähnlichen Emotionen zu unterscheiden

    • mona commented on 14. März 2016 Reply

      so trenne iCH es zumindest 😉
      es ist gar nicht so schwer. es gibt nicht so viele ängste in „meinem“ sinn.
      das meiste sind eigentlich ängstlichkeiten, und viele bis die meisten sind anerzogen.
      ich trenne deshalb gerne die angst auf in ur-angst und angst.
      die angst vor dem feuer z.b. ist keine urangst. sie ist ein reaktiver impuls zum eigenen schutz. und sollte natürlich nur im umgang mit feuer auftreten.
      aber die angst davor, keine liebe zu spüren, ist eine ur-angst. da gehts ums eingemachte …

      • Traveller commented on 14. März 2016 Reply

        ah, das macht es klarer

        • mona commented on 15. März 2016 Reply

          und – es ist gar nicht so schwierig, dann auch wirklich zu unterscheiden.
          wenn man einmal begonnen hat, es überhaupt so zu sehen und zu verstehen.
          es mag nicht immer gleich von allein so gehen, aber das ist ja auch gar nicht notwendig.
          notwendig ist es für mich dann, wenn ich merke, dass ich mit irgendetwas ein problem habe. dann hantiere ich mit allen meinen geistigen spickzetteln:
          innen nach außen? klein nach groß? gefühl oder empfindung, bzw. reaktion? sein oder haben? was will ich – was tu ich? und noch ein paar *gg*

          ich kann mich erinnern, als ich damit begann, habe ich es direkt sportlich gesehen und dauernd hin und hergeschoben. es war echt spannend.

          • Traveller commented on 22. März 2016

            „geistige Spickzettel“ – das gefällt mir

            ich finde diese Reflexion anhand von „Zweiteilungen“ gut, weil sie klar und übersichtlich ist
            man kann diese Kategorien ja stufenweise verfeinern, denke ich

            Probleme sind oft sehr diffus, zumindest wenn sie mit Gefühlen/Empfindungen zu tun haben
            und die meisten – ich nehme mich da nicht aus – setzen sich dann nicht so damit auseinander, dass sie diesen Nebel lüften
            und so lange ein Problem verschwommen wahrgenommen wird, kann man es ja auch nicht ausräumen

          • mona commented on 22. März 2016

            das prinzip der entscheidung läuft ja nach dem der zweiteilung. eine entscheidung kann man nicht auf viele faktoren aufteilen. man kann nach und nach aussieben. aber die letzte entscheidung fällt …? genau, ausnahmslos zwischen zwei gegensätzen.

            das leben mag bunt sein, oder vieles in graustufen verlaufen. aber letztendlich entscheiden wir uns zwischen zwei widersprüchen. und eigentlich zwischen gut und böse, was sicher mit schwarz und weiß gut symbolisiert ist. man kann sich nicht zwischen hellgrau und dunkelgrau entscheiden. das ist keine entscheidung, weil grau an sich schon ein kompromiss ist – eine mischfarbe.

            ich hatte ein vokabelheft dafür *ggg*

  • Traveller commented on 23. März 2016 Reply

    ich überlege gerade, wie das mit dem Aussieben läuft, ob es da nicht „vom großen zum kleinen“ funktioniert
    erstmal die groben Brocken ausschließen, dann immer feiner differenzieren

    • mona commented on 23. März 2016 Reply

      ja natürlich, aber weshalb ist das so?
      weil eine entscheidung erst vom kleinen ins große funktioniert.
      wenn du 15 grautöne in das kleine ganze deiner entscheidung einbringst, werden sie dich eher verunsichern, als hilfreich sein.

      wir leben ja nicht in einer dualen welt. sondern in einer welt der vielfalt. wir müssen permanent entscheiden, was wir aus dieser auswählen. das ist ja unser problem.
      wenn alles auf den ersten blick zwischen schwarz und weiß, gut und böse, rechts oder links, usw. entschieden werden könnte, wäre es wahrscheinlich einfacher (da gäbe es nicht so viele möglichkeiten für verstecke und ausreden, z.b.)

      also ist es im kleinen hilfreich, um dem großen unsere eigene entscheidung zuzuführen und nicht die anderer.

      so sehe ich das. fndest du da lücken in diesem denkansatz?
      denn das ist kein „statement“, sondern mein gedankengang.
      denn du weißt, ich halt immer nach lücken ausschau, weil ich sonst meine these nicht als „wahrheit“ akzeptiere, wenn da plötzlich welche auftauchen.

  • Traveller commented on 23. März 2016 Reply

    vielleicht ist dieses Aussieben doch ein Entscheiden von kleinen ins große
    wenn man nämlich „klein“ mit „wenig differenziert“ und „groß“ mit „stark differenziert“ gleichsetzt
    manchmal vielleicht einfach eine Frage der Formulierung

    also ist es im kleinen hilfreich, um dem großen unsere eigene entscheidung zuzuführen

    also erstmal für sich selber entscheiden – im kleinen – und dann damit zur Entscheidung der Gemeinschaft – im großen – beizutragen

    bis jetzt klingt es weiterhin schlüssig für mich

    • mona commented on 23. März 2016 Reply

      vielleicht ist dieses Aussieben doch ein Entscheiden von kleinen ins große

      genau, das meine ich ja. die entscheidung entfällt auch beim aussieben vom kleinen ins große, oder? die fällt nicht vom großen ins kleine … das ist nur das erscheinungsbild …

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